Aus markgräflichem Sandstein wie das benachbarte, weltberühmte Bibiena-Opernhaus gebaut, mit zwei Jahrhunderten edler Gäste-Vergangenheit erfüllt, vom großherzoglichen Wappen beschirmt, von Gästen aller Nationen als ihr persönliches Ersatz-Zuhause geliebt.
Der Goldene Anker war und ist für viele Besucher der ideale Ankerplatz für ihren Bayreuth-Aufenthalt.
Schon im 16. Jahrhundert kehrten in diesem Haus an der Opernstraße die Bayreuther ein, die Gastlichkeit und gutes Bier schätzten. Denn bis 1500 läßt sich die Geschichte der Familie Köhler, eine der ältesten der Stadt, zurückverfolgen, und seit dieser Zeit war ihr das Brau- und Gastrecht gegeben.
Als erstem begegnen wir der Markgrafin Wilhelmine, die gerade das Opernhaus bauen läßt und deshalb den Hausbesitzern an der Opernstraße die gleichen schönen Sandsteinquader für den Neubau ihrer Häuser zur Verfügung stellt. Ihr Bauherrn-Ziel heißt "Prachtstraße".
So mausert sich die "Köhlersche Gasterei" im Jahre 1753 vom niedrigen Giebelhaus zum Prachtbau. Die Familie erhält darauf ein nobles Geschenk: Die "Hotelgerechtigkeit" und danach den Namen "Goldener Anker". Bereits 1841 wird der Anker im ältesten Bayreuth-Führer als "reinlich, geräumig und elegant" gepriesen. Keine fünfzig Jahre später wird er als erstes Haus am Platze erwähnt.
Herzoginnen, Prinzessinnen, sogar Königinnen geben sich nun die Ehre. Und die Tische biegen sich. Fürstlich selbstverständlich: von Russischem Kaviar, Rheinsalm à l'Anglaise, Kalbsvögel, Pommerscher Gänsebrust und Indian mit Trüffel gefüllt - so auf der Tafel zum Geburtstag des Prinzregenten Luitpold, fünf Jahre vor der Jahrhundertwende. Und auch bei den Bürgern Bayreuths ist der Tisch nicht weniger erlesen gedeckt.
Zur Vermählungsfeier zwischen Joseph Popp und dem Fräulein Johanna Wölfel wird immerhin ein Menue mit zehn Gängen aufgefahren: von Windsorsuppe bis Lenden à la jardinière und als Dessert Orangen-Pudding mit Château, Gefrorenes, Confect, Südfrüchte, Käse und Butter.
1927 werden die Räumlichkeiten im Erdgeschoß umfangreich im Art-déco-Stil restauriert, und bis heute fasziniert die original erhaltene Ausstattung die Besucher des "Ankers".
Bis heute ist der Goldene Anker im Besitz der selben Familie.
Durch Heirat änderte sich aber der Familienname "Köhler" zunächst in "Graf " und dann in "Graf-Handel". Heute wie damals sind die Besitzer von der Leidenschaft erfüllt, für die Erhaltung, Verbesserung und Verschönerung des barocken Hauses zu leben.
Nur so konnte dieses Kleinod, das während aller Kriege vor Zerstörung und Verwüstung bewahrt blieb, allem Auf und Ab der Geschichte bis heute trotzen.

